Wie in der K.o.-Phase eines Fußballturniers, so belohnen die heutigen Märkte eine gründliche Vorbereitung und Ausgewogenheit. Mit weniger Fehlerspielraum helfen diversifizierte Portfolios den Anlegern im Wettbewerb.
Globale Fußballturniere dienen da als nützliche Parallele zu den heutigen Märkten. Bei so vielen Spielen gegen unbekannte Gegner aus verschiedenen Regionen erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Überraschungen, und ebenso erhöht eine stärker fragmentierte Weltordnung die Marktvolatilität. In beiden Arenen sind Disruptionen nicht mehr die Ausnahme. Sie sind ein prägendes Merkmal.
In der K.o.-Phase eines Fußballturniers sind für den Erfolg in der Regel Organisation, Anpassungsfähigkeit und Kontrolle unter dem Druck des Spiels entscheidend. Brillante Momente sind von Bedeutung, aber nur, wenn ein favorisiertes Team noch im Spiel ist. Und ebenso ist an den Märkten die Organisation entscheidend. Insbesondere da die makroökonomischen Risiken weiterhin hoch und die Risikoprämien komprimiert sind, sodass die Vermögenswerte auf Perfektion eingepreist sind. Schlecht strukturierte Portfolios sind anfälliger für überdurchschnittliche Verluste und ihnen fehlt die Fähigkeit, sich von einer schwachen Positionierung zu erholen.
Eine diversifizierte Struktur unterstützt die Widerstandsfähigkeit des Portfolios. Portfolios benötigen mehrere differenzierte Renditequellen, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wachstum und Erträgen sowie einen wirksamen Abwärtsschutz. Vermögenswerte sollten unter Stress unterschiedlich reagieren und gleichzeitig einheitliche Reaktionen vermeiden, während ausreichende Liquidität dazu beiträgt, erzwungene Entscheidungen zum falschen Zeitpunkt zu vermeiden.
Diversifikation: Das einzige „kostenlose Mittagessen“ im Finanzbereich
Das Prinzip der Diversifikation, man nennt es gerne „das einzige kostenlose Mittagessen der Finanzbranche“1, ist simpel: Die Kombination von Vermögenswerten mit unterschiedlichen Renditetreibern kann das Gesamtrisiko des Portfolios reduzieren, ohne zwingend das Renditepotenzial zu beeinträchtigen. In der Praxis führt dies zu einem gleichmäßigeren Renditeprofil, das einen größeren Abwärtsschutz bietet und zugleich die Teilnahme an Marktaufwärtsbewegungen ermöglicht.
Im Laufe der Zeit ist die Diversifikation dynamischer geworden. Was einst im traditionellen 60/40-Aktien-Anleihen-Rahmen verankert war, hat sich zu einem flexibleren Multi-Asset-Ansatz entwickelt, bei dem sich die Allokationen den variierenden Marktbedingungen anpassen.
Neben der Kombination von Wachstum durch Aktien und Erträgen aus Anleihen hat die Rolle alternativer Anlagen wie Private Equity, Immobilien und Rohstoffe an Bedeutung gewonnen. Diese Vermögenswerte können als differenzierte Renditetreiber wirken und über den gesamten Konjunkturzyklus hinweg für eine weniger korrelierte Performance sorgen. So können beispielsweise Phasen geopolitischen Stresses, die die Aktien belasten, mit steigenden Energiepreisen zusammenfallen, was die Diversifikationsvorteile von Rohstoffen verdeutlicht.
In der Praxis funktioniert die Diversifikation jedoch bei Schocks nicht immer perfekt. Insbesondere wurden sowohl Aktien als auch Anleihen 2022 gemeinsam abverkauft, da die Zentralbanken die Zinssätze anhoben, um die Inflation zu bekämpfen. Dies löste eine breite, koordinierte Korrektur über Märkte und Anlageklassen hinweg aus.
Langfristig hat sich die Diversifikation jedoch als lohnend erwiesen. Finanzberater verwenden den Sharpe-Quotienten oft, um risikoadjustierte Renditen zu bewerten: je höher der Sharpe-Quotient, desto effizienter ist das Portfolio. In einem kürzlich erschienenen Standpunkt2 haben wir festgestellt:
- Seit 1871 haben allein Aktien einen durchschnittlichen Fünf-Jahres-Sharpe-Quotienten von 0,84 erzielt.
- Im selben Zeitraum hat ein diversifiziertes Portfolio aus Aktien und Anleihen einen höheren durchschnittlichen Sharpe-Quotienten von 1,47 erreicht.
Balance zwischen Offensive und Defensive
Beim Aufbau von Portfolios sind wir der Ansicht, dass Anleger diversifizieren sollten, nicht nur um Risiken zu steuern, sondern auch um Chancen ins Gleichgewicht zu bringen. Nach einer längeren Phase des amerikanischen Exzeptionalismus, in der das US-Gewinnwachstum schneller als das der restlichen Welt war, scheint jetzt eine breitere Palette von Märkten in der Lage zu sein, Wertsteigerungen zu erzielen. Während das Gewinnwachstum in den USA stark bleibt, sind wir der Ansicht, dass ausgewählte Märkte in Europa und Japan mithalten können.
Aus defensiver Sicht sollten Anleger auch versteckte Konzentrationen beachten, insbesondere da sich der KI-Anlagezyklus über eine wachsende Zahl von Branchen erstreckt. Traditionelle Risikomodelle können dieses Engagement unterschätzen, was es wichtig macht, das Gesamtportfolio-Gleichgewicht sorgfältig zu überwachen. Gleichzeitig sollten Anleger eine Diversifizierung in bisher unbeliebte Bereiche in Betracht ziehen, die jetzt eine Wiederbelebung des signifikanten Gewinnwachstums verzeichnen, wie beispielsweise ausgewählte Chancen in der Lebensversicherung. Dieses breitere Spektrum an Chancen kann nicht nur attraktive Renditen generieren, sondern auch ein wirksames Gegengewicht zu KI-bezogenen Engagements bilden.
Organisation, Anpassungsfähigkeit und ein Hauch von Brillanz
Im Fußball setzen die besten Mannschaften Spieler mit unterschiedlichen Stärken ein: einen Torjäger, der Luftduelle gewinnen kann, einen sprintstarken Mittelstürmer für die Tiefenläufe, einen technisch erstklassigen Spielmacher und einen aggressiven Verteidiger, der den Ball zurückgewinnt. Zusammen passen sie sich unterschiedlichen Szenarien und Gegnern an.
Ebenso können gut strukturierte Portfolios die Widerstandsfähigkeit stärken und sich an sich verändernde Marktbedingungen anpassen. Bei der Diversifikation geht es nicht nur um Risikomanagement, sondern auch darum, sicherzustellen, dass Risiken tragbar sind, während zugleich die Fähigkeit zur Nutzung von Chancen bewahrt wird.
Der Fehlerspielraum schrumpft sowohl auf dem Fußballplatz, als auch auf den Finanzmärkten. In diesem Umfeld sind Organisation und Anpassungsfähigkeit, neben einem Hauch Brillianz, wichtiger denn je.