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Insights

Bauer schlägt Biene? Herausforderungen um bienenschädliche Pestizide

Die Erhaltung und Wiederherstellung von Ökosystemen und der ihnen zugrunde liegenden biologischen Vielfalt ist der Schlüssel zu einer nachhaltigen Gesellschaft. Über 75% aller Nahrungsmittelpflanzen von natürlicher Bestäubung abhängig. Die moderne Landwirtschaft ist jedoch weitgehend auf bienenschädliche Pestizide angewiesen, um Pflanzenschädlinge zu bekämpfen und Erträge zu maximieren. Die Ansprüche der Landwirtschaft im Gegensatz zum Schutz der wichtigen Bienenpopulationen ist ein schwieriger Balance-Akt.

Als Teil der ESG-Bestrebungen ist es entscheidend, sich mit den Auswirkungen von Pestiziden, insbesondere von Chemikalien der Klasse Neonicotinoide (kurz Neonics), auseinanderzusetzen. Seit 2018 hat die EU Neonics verboten mit dem Hinweis auf deren negative Auswirkungen auf Natur, Grundwasser und insbesondere auf Bestäuber wie Bienen. Zudem hat sie in ihrer Biodiversitätsstrategie für 2030 ehrgeizige Ziele für den ökologischen Landbau und biodiversitätsreiche landwirtschaftliche Flächen festgelegt. Die EU-Strategie sieht ausdrücklich vor, den Rückgang von Bestäubern aufzuhalten und rückgängig zu machen. Doch ganz so einfach ist dies in den letzten Jahren nicht gewesen. Landwirtschaftsinteressen stehen Naturschutz gegenüber, kurzfristigere finanzielle Probleme gegenüber langfristigen Naturschäden.

In der Saison 2020/2021 mussten 11 EU-Länder inklusive Deutschlands, Frankreich und Polen, sowie Großbritannien, den Einsatz von Neonics kurzfristig für Zuckerrüben zugelassen, als Notfallreaktion zum Schutz gegen viröse Vergilbung der Rübenernte. Die EU beauftragte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), zu prüfen, ob diese Zuckerrüben-Zulassungen dringend notwendig seien – d.h. ob das Risiko für Nutzpflanzen nicht anders eingedämmt werden könne und ob in den Ländern, in denen sie erteilt werden, Forschung zur Entwicklung alternativer Lösungen betrieben wird. Die EFSA hat im November 2021 bestätigt, dass Nutzung von Neonics in Ausnahmefällen erlaubt sei, weil es keine effektiven Alternativen gab.

Zwar wurde in Deutschland Ende 2021 trotz erneuter Anfrage auf eine weitere Notfallzulassung verzichtet, doch in anderen Ländern werden Neonics weiterhin „ausnahmsweise“ genutzt.

Ein komplexeres Thema als erwartet

Die fortgesetzten Notfallzulassungen von Neonics zeigen, wie schwierig es ist, ein Gleichgewicht zu finden zwischen der Verringerung der negativen Auswirkungen auf biologische Vielfalt und dem Schutz der Agrarindustrie in ihrer derzeitigen Form. Vor allem im Zuckerrübensektor ist es schwierig, auf diese Chemikalien zu verzichten, sodass seit dem generellen Verbot 2018 in diesem Sektor Notzulassungen am weitesten verbreitet sind. Belgien beispielsweise hat in den letzten drei Jahren immer wieder den Einsatz von Neonics im Rübenanbau genehmigt.

Was tun?

Es fehlen klare Alternativen zu diesen Pestizidarten, obwohl Regierungen jede Menge Aktionspläne formulieren, um dieses Problem anzugehen. Im britischen Aktionsplan heißt es beispielsweise, dass vorrangig nach alternativen, dauerhaften Lösungen für die Saatgutbehandlung mit Neonics gesucht wird. September 2020 wurde sogar eine spezielle Taskforce gegen die Virusvergilbung eingerichtet. Weitere geplante Maßnahmen umfassen verbesserte Tierhaltung, die Erhöhung der Populationen von Nutzinsekten, der Anbau von Deckfrüchten und möglicherweise die genetische Veränderung zur Entwicklung neuer Saatgutsorten.

Ist eine Reduzierung des Pestizideinsatzes realistisch?

Der fortgesetzte Einsatz dieser schädlichen Pestizide stellt eine große Herausforderung für die EU-Agenda für nachhaltige Landwirtschaft im Rahmen des Green-Deal-Plans dar. 2020 kündigte die EU Pläne an, den Einsatz von Pestiziden bis 2030 zu halbieren und ökologischen Landbau zu fördern. Allerdings werden Industrie und Gesellschaft in Mitleidenschaft gezogen, wenn eine Verringerung des Pestizideinsatzes zu höheren Kosten und geringeren Erträgen führt, was wiederum die Ernährungssicherheit in der EU gefährden könnte.

CropLife Europe (ehemals European Crop Protection Association) hat in Frage gestellt, ob eine Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2030 angesichts des Tempos der Entwicklung neuer Lösungen realistisch ist. Und wie Unearthed (das Journalismusprojekt von Greenpeace) berichtet, hat sich der Chemieriese Bayer verpflichtet, die Umweltauswirkungen seiner Pestizide bis 2030 um 30% zu reduzieren, im Gegensatz zur Menge der verwendeten Pestizide selbst.

Und ökologischer Landbau?

Die Agrarindustrie hat auch Bedenken hinsichtlich der Ambitionen der Kommission geäußert, den ökologischen Landbau zu fördern, und argumentiert, dass die Gesamtmenge an verwendeten Pestiziden aufgrund der geringeren Wirksamkeit ökologischer Produkte im Vergleich zu Chemikalien steigen könnte. Nach der gleichen Logik müsste die für die Aufrechterhaltung der derzeitigen Produktion benötigte Agrarfläche vergrößert werden, was wiederum zu vermehrten Treibhausgasemissionen beitragen könnte. Die Befürworter des ökologischen Landbaus argumentieren hingegen, dass Ernte-Erträge mit zunehmender Forschung und Entwicklung wahrscheinlich steigen werden und dass Gesamttoxizität der verwendeten Chemikalien statt deren Menge die wichtige Kennzahl sein sollte.

Abschließende Überlegungen

Die Reduzierung von Pestiziden-Nutzung scheint die offensichtliche Antwort zum Schutz unserer Bienenpopulationen zu sein – und eine, die letztlich zu einer nachhaltigeren Zukunft führen könnte, indem sie die natürliche Bestäubung erhält und erhöht. Aber wie gezeigt, ist dies tatsächlich ein komplexes Thema, bei dem alternative Anbaumethoden ihre eigenen Probleme für Industrie und Gesellschaft schaffen.

Der Übergang von einer Landwirtschaft, die von den heutigen chemischen Pestiziden abhängig ist, zu einer Landwirtschaft, die auf naturfreundlichen Lösungen basiert, ist ein gewaltiges Unterfangen, aber ein notwendiges, um eine bessere Welt zu hinterlassen und die Nachhaltigkeit der Branche zu gewährleisten. Als verantwortungsbewusste Verwalter von Investorenkapitals ist es unsere Pflicht, die derzeitigen Grenzen und die potenziellen negativen Auswirkungen auf Menschen und unseren Planeten zu erkennen, wenn Industrien vom Status Quo in einen neuen Zustand übergehen. Wir bemühen uns, diese Erkenntnis in unserem Engagement mit Unternehmen zu verankern, um einen sorgfältigen und nachhaltigen Fortschritt voranzutreiben.

19 Mai 2022
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